24.10.24, Herbsttagung im Rössli Tufertschwil Herbsttagung mit Auszeichnung TopLehrling/TopSTORY 2024
In seiner Begrüssungsrede führte Präsident Marc Züllig auf das Thema KI, Künstliche Intelligenz, ein. Er wies auf das grosse Potenzial hin und ermunterte die Anwesenden, ihren Mitarbeitenden für das Sammeln von Erfahrungen mit KI die nötigen Freiräume zu geben.
In zwei Fachreferaten wurde das Thema erläutert. Kommunikationsexpertin Antonia Zahner, Geschäftsführerin Blickpunkt Kommunikation, inspirierte durch mögliche Anwendungsgebiete, und Björn Rosenplänter, Geschäftsführer von Stihl Kettenwerk GmbH & Co. KG, beschrieb, wie KI in seinem Betrieb bereits erfolgreich eingesetzt wird.
Ohne Daten und der richtigen Fragestellung geht nichts
ChatGPT und Co. beantworten jede erdenkliche Frage. Doch ob einem die Antwort effektiv weiterhilft, hängt von einer überlegten Formulierung der Frage und den verfügbaren Daten, dem Wissen, der KI ab. Möchte z.B. ein Bäcker von einer KI wissen, wie viele Gipfeli er für den Samstag backen soll, kann die KI ihm eine mögliche Zahl nennen, dazu muss er aber Daten aus der Vergangenheit für KI hochladen. Für eine solide Prognose kann die KI verschiedene Parameter wie Kalendertag, Wetter, Veranstaltungen und Grösse der Stammkundschaft einbeziehen. Mit diesem einfachen Anwendungsbeispiel lässt sich der Nutzen von KI auch für kleinere Geschäfte gut erkennen.
Doch KI kann weit mehr, wie Antonia Zahner beschreibt. Das Angebot an KI-Tools ist zurzeit äusserst dynamisch. Man sollte sich die Zeit nehmen, um für sich das Passendste zu finden. Auch mit kostenlosen Versionen kommt man bereits weit. «Viele Abos werden nicht ausgenützt. Der Umgang mit KI will gelernt sein», sagt sie. Man dürfe keine Hemmungen haben, die Möglichkeiten auszuprobieren. Längerfristig lohne sich dies, sagt sie. Aufwendige Datenanalysen und Zusammenfassungen erstellen KI-Helfer wie die speziell darauf trainierte Julius.ai innert kürzester Zeit, während eine menschliche Arbeitskraft dafür ganze Arbeitstage verbringen kann.
Unterstützung bei der Jahresplanung
Mit den nötigen Daten gefüttert, können fertige Jahresberichte erstellt werden. Liefert man der KI als Vorlage die PDF-Datei des Vorjahres, entsteht daraus ein Geschäftsbericht im eigenen Corporate Design. Vorsicht sei jedoch in Sachen Datenschutz geboten. Vertrauliche Daten erfordern entsprechende Abos, welche europäische Datenschutznormen gewährleisten.
Prognosen, wie das einfache Beispiel des Bäckers, lassen sich auch für den Geschäftsgang grosser Unternehmen erstellen. Die KI kann dazu die Weltwirtschaftslage und die Marktsituation der jeweiligen Branche miteinbeziehen. Welches sind meine Mitbewerber? In welche Richtung soll ich mich entwickeln? Für Antonia Zahner kann eine KI durchaus als Sparring-Partner oder Assistent angesehen werden. Und wisse man nicht weiter, könne man sogar fragen, welche Frage jetzt zur Zielerreichung am besten zu stellen sei. Gibt man der KI entsprechende Feedbacks, Lob oder Kritik, lernt sie daraus weiter und liefert noch bessere Ergebnisse. In dieser Beziehung ist die Stihl Kettenwerk GmbH & Co. KG bereits ziemlich weit, wie Geschäftsführer Björn Rosenplänter in seinem Vortrag beschrieb.
Vorsprung durch integrierte KI
Die Sensoren der Maschinen erkennen sehr viel. Diese Daten werden in Logfiles ausgegeben. Sie zu lesen und daraus Erkenntnisse zu gewinnen, ist für Menschen ein äusserst zeitintensiver Vorgang. Bei Stihl lässt man sie darum von einer eigens, selbst dafür trainierten KI analysieren. Die Erkenntnisse fliessen sogleich in die Prozesse ein. Björn Rosenplänter erklärte dies am Beispiel der Abnützung von Schneidezähnen der Ketten. Aus von der KI erkannten, erhöhten Stromzufuhr lässt sich deren Zustand genauer erkennen als durch menschliche Begutachtung.
Für Stihl führt der Einsatz von KI gemäss Björn Rosenplänter zu besserer Qualität, mehr Effizienz und in der Folge zu Kostenoptimierung. Die KI wird auch zur Automatisierung von Prozessen genutzt. Von den total 20'000 Mitarbeitenden beschäftigen sich bei Stihl rund 35 mit KI.
«TopLehrling 2024» – die besten der Region
In acht Kategorien wurden die «TopLehrlinge» der Region Wil ausgezeichnet. Eine Bedingung zur Teilnahme war eine Abschlussnote ab 5.0. Es gingen 60 Anmeldungen ein. Die Gewinnerinnen und Gewinner der jeweiligen Kategorien erhalten ein Preisgeld von 500 Franken, und der «TopLehrling», Jessica Kless, gewinnt 1000 Franken.
Kategoriensieger:
«TopSTORYLehrling 2024» – bewegende Geschichten
Mit dem Preis «TopSTORYLehrling» werden Lehrabschliessende geehrt und ausgezeichnet, deren Lehrgang sich durch eine spezielle Geschichte hervorhebt. Dieser Preis wurde dieses Jahr ausnahmsweise zweimal vergeben.
Die Geschichten von Natascha Knaus und Yven Hess sind völlig unterschiedlich. Sie, 34-jährige Mutter, hat nach Jahren mit Stationen im Detailhandel, an Tankstellen und als Tagesmutter noch eine Lehre begonnen und diese erfolgreich abgeschlossen, und er, der nebst seiner Ausbildung auch Kinderbücher geschrieben und Auftritte in Filmen und bei «DSDS» absolviert hat.
Lehrabschluss mit 34 Jahren
Natascha Knaus wurde früh Mutter, Zeit für eine Ausbildung hatte sie keine. Mit Aushilfsjobs schlug sie sich als alleinerziehende Mutter eines Sohnes durch. Inzwischen über 30 Jahre alt, in einer neuen Beziehung und nochmals Mutter geworden, entschloss sich Natascha Knaus zu einer Ausbildung. Mit 34 Jahren schloss sie die Lehre als Kauffrau EFZ bei Bau und Verkehr der Stadt Wil mit der Note 4.8 erfolgreich ab. Dafür war ein ausserordentliches Engagement mit Berufsschule an den Samstagen und an zwei Abenden pro Woche nötig. Parallel begleitete sie ihren Sohn im Berufswahlprozess und half ihrer Tochter bei Schulaufgaben. Gelernt hat sie, wenn andere ihre Freizeit genossen.
Dies sei nur möglich gewesen dank grosser Unterstützung ihrer Familie und Freunde sowie ihrem Partner, der ihr den Rücken freihielt, sagte Natascha Knaus auf die Frage, wie sie das geschafft habe. Dies und der Glaube an sich selber hätten ihr die Kraft gegeben, die Ausbildung durchzuziehen. Natascha Knaus sieht ihre Zukunft jetzt positiv. Sie sei offen für Weiterbildungen. Im Interview meinte sie abschliessend: «Es ist nie zu spät, und es ist wichtig, eine Lehre zu machen: Ich bin oft angestanden, weil mir ein Abschluss fehlte.»
Voller Talente und mit vielen Hobbies
Während seiner Lehre zum Fachmann Betreuung EFZ hat Yven Hess mehrere Kinderbücher geschrieben und selbst illustriert. Sein Zeichentalent hat er im Gestalterischen Vorkurs der Gewerbeschule St.Gallen verfeinert. Für die Produktion einer eigenen Kindermärchen-CD, einer Rolle im Film «Papa Moll und die Entführung eines fliegenden Hundes» sowie die Teilnahme als Sänger an der Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» fand Yven Hess ebenfalls Zeit.
«Warum sollten wir Erwachsenen uns nicht mehr in die Märliwelt begeben?» fragt Yven Hess. «Wir leben doch in einer so schnelllebigen Zeit. Das ist eine gute Möglichkeit, um wieder zu sich zu kommen.» Seine Zukunft sieht er, der auch Musik unterrichtet, als Lehrer.